Seglerzeitung 11/2010

von Daniel Bauer

Rasanz und Eleganz auf den Binnenrevieren – der 20qm - Jollenkreuzer

Jüngst auf dem Berliner Wannsee und dem Schweizer Bieler See konnte man sie wieder bewundern, die 20er -Jollenkreuzer, größte Schwertbootklasse mit Meisterschaftsstatus des DSV. Die Deutschen Meisterschaften und der EURO- Cup vereinigte das „who is who" dieser Klasse im Kampf um Meisterschaftsmedaillen und Pokale. Nationale Titelkämpfe tragen die Zwanziger seit den fünfziger Jahren aus. Verbrieft für den Osten Deutschlands ist die erste Meisterschaft in Schwerin 1954. Im Westen segelte man die erste Deutsche Meisterschaft 1958 an der Schlei. Die Geschichte des Zwanzigers begann aber weit eher. In der Zeitschrift „Segelsport" vom 16. Juni 1921 ist zu lesen, dass die Festsetzung von Vorschriften für ein 20qm- Jollenkreuzer- Klasse durch den Berliner Klein-Segler Verband erfolgt sei. „Man habe Erwartungen, das sich der 20 qm- Jollenkreuzer besonders im Binnenbereich verbreiten wird:" Wie genau die damaligen Annahmen an der Wirklichkeit liegen sollten ist, fast neunzig Jahre später, bewiesene Realität. In Deutschland wird dieses rasante Binnenboot in Baden- Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg- Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein- Westfalen, Niedersachsen, Sachsen- Anhalt und Schleswig- Holstein gesegelt. Der Status als Konstruktionsklasse lockte bekannte Konstrukteure wie Drewitz, Grunewald, Theo und Manfred Ernst, van de Stadt, Nissen oder Judel Boote mit dem großen R im Segel nach modernster Version zu kreieren. Auf Werften wie Kother, Dannhus Schreiber, Bopp & Dietrich, Christen oder Herbst entstanden nach deren Plänen wahre Schmuckstücke. Berühmtester Besitzer eines Zwanzigers ist ohne Zweifel Albert Einstein gewesen. Er bekam das Boot zu seinem 50. Geburtstag von den Mitgliedern der Berliner Handelskammer geschenkt! Sein „Tümmler", von dem die Schwerttiefe von 1,25 m noch bekannt ist, lag am Schwielowsee in Caputh bei Potsdam.

Bild Seglerzeitung

Der Ursprungsgedanke sah den Zwanziger so, dass „ dass die Jollenkreuzer einzig und allein Wanderboote sein sollen." Wenig später war diese Auffassung ad acta gelegt. Er sollte nun auch Rennboot sein, mit der Maßgabe, dass er auch immer ein „Wochenendboot" sein sollte.

 

Dieses Konzept verkörpert er bis heute. Zurück zum „who is who", zu denen, die am Wochenende die Tonnen runden. Bekannte Namen sind darunter, Olympiasieger, ehemalige Welt- und Europatitelträger aus den olympischen Klassen, aber auch jene die seit vielen Jahren in dieser Klasse segeln und das Niveau genau so mitbestimmen. In 2010 ohne Zweifel die Mannschaft des Jahres Jörg Witte und Martin Herbst aus Berlin, die mit ihren Mittelmännern Stefan Mädicke aus Schwerin ( zweifacher FD- Weltmeister) oder Jörn Borowski aus Rostock ( Ex- 470er Weltmeister) Deutscher Meister wurden bzw. den Euro - Cup gewinnen konnten. Mit dieser Leistung durchbrachen sie die jahrelange Domäne von Soling - Olympiasieger Thomas Flach, Ex- Solingweltmeister Sven Diedering und Harald Schaale, Ex- Vize-Europameister im 470er.

Klaus Müller

Zurück